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Interview mit Antonella Quacchia & Maciej Pajak

Interview mit Antonella Quacchia

Maciej von Arthentico:
„Hallo Antonella! Es freut mich sehr, dass ich dich und deine Kunst jetzt in einem kurzen Interview besser kennenlernen darf. Herzlichen Dank für die Einladung!“
Antonella Quacchia:
„Hallo Maciej, ich freue mich sehr!“
Maciej von Arthentico:
„Dann möchte ich gleich einmal mit der ersten Frage anfangen, die mich sehr interessiert - Woher nimmst du dir die Inspiration für deine Gemälde und wie hat eigentlich deine künstlerische Reise begonnen?“
Antonella Quacchia:
„Ich male eigentlich seit meiner Kindheit und habe das Malen schon immer geliebt. Aber wie du weißt, ist mein eigentlicher Beruf etwas ganz anderes. Mein akademischer Background liegt in der Informatik und ich habe schon mehr als 40 Jahre in dieser Sparte gearbeitet. Begonnen habe ich im europäischen Zentrum für nukleare Forschung und dann später habe ich in der internationalen Arbeitsorganisation gearbeitet. Und ja... aufgrund dieses Full-Time Jobs und des Großziehens meiner Kinder, blieb leider immer recht wenig Zeit, mich der Kunst, dem Malen zu widmen. Ich habe schon gemalt, aber nur sehr wenig und selten. Aber ich habe es immer geliebt. Deswegen habe ich vor ein paar Jahren Kurse von unterschiedlichen Malerinnen und Malern besucht, die mir auch neue Techniken näher gebracht haben. In dieser Zeit habe ich figurativer gemalt. Da habe ich - ziemlich klassisch - mit Blumenmotiven und Landschaften gestartet. [Lachen] Ich habe in der Zeit sehr vieles ausprobiert. Verschiedene Techniken und Farben. Aquarell, Ölfarbe... alles Mögliche... Aber ja.. erst vor ein bisschen mehr als zwei Jahren, als ich Anfang 2020 nach Wien gekommen bin und meinen Job gekündigt habe, hatte ich endlich die Zeit und auch den Platz, mich voll und ganz der Kunst zu widmen und meinen eigenen Stil zu entwickeln. Jetzt bewege ich mich mehr im Feld der abstrakten Kunst, wie du, glaube ich, auch hier gut sehen kannst. [Lächeln] Das kam wahrscheinlich auch ein wenig von den Kursen, die ich hier in Wien besucht habe. Ich habe meine Technik weiterentwickeln können und auch begonnen, mich zu trauen, ganz andere Materialien für meine Gemälde zu benutzen. Darunter fallen zum Beispiel Pulver von Steinen und Metallen. Aber auch generell das Mischen von verschiedenen Farbarten... zum Beispiel das Mischen von Acrylfarbe mit Tinte und Pulvern. Und ja... das ist auch jetzt das, was du hier von mir sehen kannst. Meine Gemälde bestehen viel aus dem Experimentieren mit verschiedenen Materialien.“ [Lächeln]
Maciej von Arthentico:
„Ein beeindruckender Werdegang. Ich kann mir auch vorstellen, dass es wahrscheinlich nicht ganz so leicht war, Anfang 2020, als plötzlich Corona ein riesiges Thema gespielt hat, das Leben so umzukrempeln, oder? Wie hast du es in der Zeit geschafft, deine Emotionen auf Leinwand zu bringen?“
Antonella Quacchia:
„Als die Pandemie begonnen hat, war ich ganz alleine hier. Ich bin gerade erst nach Wien gezogen, ich kannte nur sehr wenige Menschen und war natürlich von all meinen Freunden und meiner Familie getrennt. In dieser Zeit habe ich sehr viel Inspiration zum Malen von meinen Erinnerungen genommen. Diesem Gemälde, vor dem wir gerade sitzen, habe ich den Titel „Friends“ gegeben und es richtet sich an alle meine Freunde, die ich in Genf zurückgelassen habe. Genf ist ja ein sehr internationaler Ort, wie es auch Wien ist, und ich hatte Freunde, die aus den unterschiedlichsten Ländern und beruflichen Backgrounds kamen. Und genau das habe ich hier versucht auf Leinwand auszudrücken. Diese Erinnerungen, die ich an diese Freunde habe. Und ja, aber generell habe ich wirklich viel Inspiration von Erinnerungen genommen. Auch von meinen vielen Reisen, die ich schon gemacht habe. Das hat mich alles innerlich sehr bewegt und mir den richtigen Anstoß gegeben. Ich hatte auch Glück, dass ich hier in Wien einen sehr netten Galeristen kennengelernt habe, der an meine Kunst geglaubt hat. Er hat mir auch wirklich dabei geholfen, dass ich mehr Selbstbewusstsein in Bezug auf meine Kunst bekommen habe. Panto Trivkovic, so heißt er. Und trotz der Pandemie und allem darum herum, hat er mir die Möglichkeit gegeben, 2020 in seiner Galerie auszustellen. Er hat mich wirklich ermutigt, weiter zu malen und mehr daraus zu machen. Dafür bin ich ihm wahnsinnig dankbar. Und zum Glück konnte ich auch während der Pandemie, zwischen den Lockdowns, wieder diverse Kurse besuchen. Und ja... so ergaben sich für mich immer Möglichkeiten, meine Malerei - trotz der schwierigen Zeit - weiterzuentwickeln. Vor allem konnte ich auch eben mehr in das Abstrakte hineingehen. Und heute finde ich, dass ich mich mit der abstrakten Malerei auch viel besser ausdrücken kann.“ [Lächeln]
Maciej von Arthentico:
„Das ist sehr schön zu hören. Es ist auch wichtig, dass man von Menschen umgeben ist, die an einen glauben. Besonders als eine aufstrebende Künstlerin oder als ein aufstrebender Künstler, ist es wahrscheinlich schwierig, gleich an sich zu glauben und auch irgendwie seine eigene innere Stimme auf Leinwand auszudrücken. Ich finde aber, dass dir das in deinen Gemälden wirklich gut gelingt. Deine Gemälde erwecken in mir so viele Emotionen und ich könnte jedes von ihnen wirklich stundenlang anschauen und meine eigene Geschichte dazu interpretieren. Vor allem auch das Gemälde „Beloved One“, vor dem wir hier gerade sitzen, finde ich äußerst spannend. Kannst du mir mehr darüber erzählen?“
Antonella Quacchia:
„Gerne. Dieses Gemälde widme ich einem Freund, den ich als Jugendliche kennengelernt habe. Wir hatten eine sehr sehr enge Freundschaft, aber irgendwann haben wir beide einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen und uns seltener gesehen. Er wurde Arzt. Und dann kam es dazu, dass er auch in Afrika als Arzt arbeitete. Wir haben aber leider wirklich ein wenig den Kontakt verloren... Und Anfang 2020 habe ich dann leider die Nachricht erhalten, dass er an einer Krankheit, die er dort in Afrika bekommen hat, verstorben ist... Es hat mich wirklich mitgenommen... vor allem weil wir beide ja fast genau gleich alt waren und wir früher so engen Kontakt hatten.... Und ja... so musste ich dieses Gemälde einfach malen... sein Gesicht in der Mitte und in einer Form, die an den afrikanischen Kontinent erinnert. Ich finde Afrika wunderbar. Ich war schon oft in Afrika. Vor allem weil ich auch früher mit einem Südafrikaner verheiratet war... Ich habe dort schon so viele Orte gesehen und ich habe Afrika ganz tief im Herzen... Ich liebe das Licht dort, die Gerüche... ich habe mich immer wohl gefühlt dort. Ich habe durch meinen früheren Beruf auch sehr viele afrikanische Kollegen. Ich mag Afrika einfach und deshalb habe ich auch versucht, in diesem Gemälde mit den Farben zu spielen und mit diesen an den wunderbaren Kontinent zu erinnern. Es stecken sehr viele Erinnerungen und Emotionen in diesem Gemälde.“
Maciej von Arthentico:
„Das ist eine sehr berührende Geschichte, die sich hinter dem Gemälde verbirgt. Danke, dass du diese Geschichte mit uns geteilt hast. Jetzt würde mich noch interessieren - Was möchtest du bei anderen Menschen mit deiner Kunst auslösen? Ist es für dich wichtig, bei anderen Emotionen hervorzurufen?“
Antonella Quacchia:
„Ich möchte bei anderen natürlich Neugierde, aber auch Fantasie hervorrufen. Die Neugierde ist etwas, das in meinem ganzen Leben schon ein große Rolle gespielt hat. Sie hat mich sozusagen immer begleitet. Als ich dreieinhalb Jahre alt war, bin ich mit meiner Familie nach Brasilien gegangen und habe dort meine ganze Kindheit verbracht. Ich bin schon immer viel gereist - nicht nur wegen der Arbeit - sondern weil es mich einfach interessiert, neue Länder kennenzulernen. Die Neugierde hat mich immer dazu veranlasst, das Schöne der Welt zu entdecken. Aber sie hat mir auch dabei geholfen, zu verstehen, wie Menschen leben, beziehungsweise wie unterschiedlich Lebensstile sein können. Und wie Menschen ein und dieselbe Sache unterschiedlich wahrnehmen aufgrund ihrer Erfahrung oder Kultur. Und diese Neugierde ist es, die ich mit meinen abstrakten Gemälden auch wiedergeben möchte. Ich wünsche mir, dass Betrachterinnen und Betrachtern einfach Emotionen frei fließen lassen können, wenn sie vor meinen Gemälden stehen. Oft passiert es auch, dass jemand vor einem meiner Gemälde steht und sagt: “Oh, hier sehe ich einen Fisch!” oder “Oh, das erinnert mich an eine Maus!”... [Lächeln] Es ist einfach interessant zu sehen, wie Personen auf meine Gemälde interpretieren. Jeder hat seine eigene Interpretation. Und das ist es, was ich so spannend finde. Diesen Austausch von unterschiedlichen Wahrnehmungen. Ich möchte mit meiner Kunst einfach Gefühle, Erinnerungen oder Gedanken hervorrufen. Aber immer die guten! Ich bin der Meinung, dass Kunst auch dafür da ist, etwas Positives in uns auszulösen. Dass du, wenn du vor einem Kunstwerk stehst, an etwas Schönes denken musst und vielleicht sogar ein Lächeln hervorgerufen wird. Diese gute Energie möchte ich entfachen lassen.“
Maciej von Arthentico:
„Das gelingt dir definitiv. Man sieht in deinen Werken irgendwie gut, dass du selbst von positiven Erinnerungen inspiriert wirst. Ich finde es auch schön, dass du erwähnthast, dass jeder von uns eine andere Wahrnehmung hat und du es magst, diese unterschiedlichen Interpretationen zu hören. In der Kunst gibt es kein Richtig und Falsch, das ist völlig klar.”
Antonella Quacchia:
„Genau“ [Lächeln]
Maciej von Arthentico:
„Und weil du es vorher am Anfang schon einmal kurz erwähnt hast- hast du jetzt noch manchmal Zweifel an dir und deiner Kunst? Oder Schwierigkeiten dein Inneres auf Leinwand auszudrücken?“
Antonella Quacchia:
„Ich habe immer Zweifel, wenn ich mit einem neuen Gemälde anfange. Das ist dann so wie ein Dialog zwischen der Leinwand und mir. Auch wenn es um Gemälde geht, die sehr viel Material, also eben zum Beispiel das Pulver von Gestein oder Metallen enthalten. Da hat für mich auch irgendwie dieses Material schon ein eigenes Leben. Ich mag diese Interaktion mit dem Material. Aber jedes Gemälde ist eigentlich eine ziemliche Challenge für mich. Auch wenn ich oft eine klare Idee vor mir habe, wohin ich mit diesem Gemälde gehen möchte. Ich kann diesen Prozess des Erschaffens nicht wirklich kontrollieren. Aber eher noch am Ende, wenn ich das Werk selbst wahrnehme und fühle. Dann kann ich das Endresultat mehr beeinflussen. Aber ich bin oft einfach nur überrascht, was dann am Ende vor mir hängt. [Lachen] Ich mag das aber. Meist fühle ich mich dann so, als würde ich mich in einer anderen Dimension bewegen, wenn ich gerade in diesem kreativen Flow bin. Dann kann ich mich nur auf das Gemälde selbst konzentrieren, alles andere herum vergesse ich. Das geht dann auch über Stunden.“ [Lächeln]
Maciej von Arthentico:
„Das ist wirklich schön zu hören. Also für dich ist es dann auch immer klar, wann ein Gemälde wirklich fertig ist?“
Antonella Quacchia:
„Ja es ist einfach fertig, wenn es fertig ist. [Lachen] Ich spüre es einfach, dass es fertig ist. Es sagt mir irgendwie, dass es fertig ist. Auch wenn ich nicht immer zufrieden damit bin. Aber es ist einfach ein Teil von mir. Ich habe es in voller Emotion erschaffen und deswegen gehört es zu mir.“
Maciej von Arthentico:
„Verstehe. [Lächeln] Danke für die Erklärung!
Jetzt noch meine letzte Frage: Was sind deine nächsten künstlerischen Ziele?“
Antonella Quacchia:
„Ich werde natürlich viel weitermalen. Ich kann eigentlich gar nicht mehr damit aufhören. [Lachen] Ich möchte meine Kunst weiterentwickeln und ich werde auch an meinen Serien weiterarbeiten und neue beginnen. Da denke ich eher an etwas Bunteres, an mehr Farben. Es soll darin um Verrücktheit und um Freiheit gehen. Also etwas ganz Neues für mich. Da habe ich auch bereits Skizzen gemacht und freue mich sehr, endlich damit starten zu können. [Lächeln] Natürlich möchte ich aber auch nicht aufhören, meine Kunst auszustellen, weil ich es liebe, mit Menschen zu interagieren. Ich habe bereits ein paar Ausstellungen, die bereits fixiert sind. Eine natürlich mit euch, mit Arthentico. Auf diese Ausstellung freue ich mich besonders. [Lächeln] Dann habe ich aber noch ein paar andere Ausstellungen für nächstes Jahr geplant. Eine in Madrid, eine in Tokio, eine Solo-Ausstellung im Herzen Wiens und auch eine für die Biennale in Florenz. Und vielleicht kommen noch andere dazu. Ich freue mich jedenfalls auf alle Ausstellungen. [Lächeln]
Maciej von Arthentico:
„Wow, du hast viel geplant! Das ist toll.
Wir von Arthentico sind jedenfalls schon sehr gespannt, wie deine künstlerische Reise
weitergeht. Herzlichen Dank für dieses Gespräch, Antonella!“
Antonella Quacchia:
„Ich bin auch gespannt. [Lachen] Danke auch!“
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