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Interview Alina Babenko & Iris Kienzl

Interview mit Alina Babenko
30.11.2022

Iris von Arthentico:
„Hallo Alina, es freut mich wahnsinnig, dass wir dieses Interview heute machen können. Wir sitzen gerade vor deinem neuesten Gemälde „Way“ in den Räumlichkeiten deiner ersten Solo-Ausstellung in Wien, die gleichzeitig auch für Arthentico die erste Solo-Ausstellung ist. Du hast dieser Ausstellung den Titel „Innerer Dialog“ gegeben. Kannst du mir erklären, wie es zu diesem Titel und Ausstellungskonzept gekommen ist?“


Alina Babenko:

„Hallo Iris. Ich freue mich auch sehr.
Der Titel „Innerer Dialog“ entstand irgendwie aus dem Bauch heraus, da die Malerei für mich ein tiefes Eintauchen in mich selbst bedeutet. So kann ich das ausdrücken, was mich gerade innerlich bewegt. Etwas, das vorher noch nie jemand von mir gesehen oder gehört hat. Ich möchte meine Geschichte mit meinen Gemälden erzählen und für andere spürbar machen. Besonders in schwierigen Zeiten, wie beispielsweise während der ersten Corona Lockdowns - und auch vor allem jetzt, während des Krieges in meinem Herkunftsland der Ukraine. Da hilft mir die Malerei, diese schwierigen Situationen und dieses plötzliche Zurücklassen meines alten Lebens besser zu verarbeiten.“

Iris von Arthentico:

„Verstehe. Dann ist die Malerei so zu sagen wie eine Art Therapie für dich, stimmt das?“

Alina Babenko:

"Ja, so könnte man das auch betrachten.“

Iris von Arthentico:

„Wie ich bereits vorher erwähnt habe, ist das Gemälde „Way“, vor dem wir gerade sitzen, dein neuestes Gemälde. Es wurde ja erst knapp vor der Eröffnung dieser Ausstellung fertig. Kannst du mir ein bisschen mehr darüber erzählen?“

Alina Babenko:

„Das Gemälde „Way“ zeigt meinen persönlichen Weg, den ich bis vor die Eröffnung dieser Ausstellung gegangen bin. Für mich stellt dieser Weg die Überwindung dar, die ich habe, wenn ich neue Ziele erreichen möchte. Und natürlich auch die Schwierigkeiten, die dabei entstehen. Aber meistens lohnt es sich, genau diesen Weg einzuschlagen, der einem vorschwebt, weil dann schafft man es auch, diese Hindernisse zu überwinden. Man muss einfach an sich glauben, ehrlich mit sich selbst sein und natürlich auch Verantwortung übernehmen. Besonders wichtig ist hierbei auch die Unterstützung von anderen. Dass du weißt, dass andere an dich glauben und dir innerlich Kraft geben, etwas Neues zu schaffen. Genau das drückt dieses Gemälde für mich aus.”

Iris von Arthentico:

„Das waren schöne und motivierende Worte, die sich irgendwie auch gut in diesem Gemälde widerspiegeln. Danke für die Erklärung.
Weil das Gemälde so neu ist, trocknet die Ölfarbe auch noch. Deswegen wollte ich dich einmal generell fragen - malst du immer so spontan und schnell? Wie läuft bei dir der Malprozess ab?“

Alina Babenko:

„Ich arbeite immer aus dem Moment heraus. Wenn ich mich danach fühle, dann male ich. Zuhause habe ich immer genug leere Leinwände und Ölfarbe. Wenn ich dieses Gefühl in mir spüre und Zeit habe, male ich sofort.“

Iris von Arthentico:

„Spannend. Auch bei unserer ersten Gruppenausstellung, in der auch zwei deiner Gemälde ausgestellt wurden, war eines davon, das „Phönix“ Gemälde, noch sehr frisch und hat getrocknet. Ich finde es mutig, dass du diese Gemälde dann trotzdem ausstellst und keine Angst hast, dass die Besucher/innen daran ankommen.“ [Lachen]

Alina Babenko:

„Ich möchte die Gemälde dann einfach zeigen. Mir ist das Trocknen dann irgendwie egal. Die Besucher/innen sind ja im Normalfall immer sehr vorsichtig.“

Iris von Arthentico:

„Verstehe. Du malst auch oft mitten in der Nacht bis in den nächsten Morgen, oder?“
Alina Babenko:
[Lachen] „Ja, das stimmt. Am Tag habe ich meist keine Zeit zu malen, da ich als Architektin arbeite. Also ja - am Tag bin ich Architektin, in der Nacht bin ich Künstlerin.“

Iris von Arthentico:

„Das finde ich cool. Und das ist sicherlich auch ein guter Ausgleich zur Arbeit.
Wolltest du eigentlich immer Künstlerin werden? Oder hat dich dein Beruf als Architektin dazu gebracht, dass du vor ein paar Jahren mit der Malerei begonnen hast?“

Alina Babenko:

„Also ich habe eine akademischen Kunstschule in der Ukraine absolviert und seit meiner Kindheit eigentlich immer viel gemalt, aber trotzdem habe ich den Weg der Architekturausbildung eingeschlagen. Ich glaube irgendwie, dass mich das Malen damals dazu gebracht hat, dass ich Architektin wurde und nicht umgekehrt. Erst 2016 habe ich dann wieder begonnen, neben der Architektur auch wieder mehr zu malen. Dann auf Leinwand und mit Ölfarbe. Davor- also während meines Architekturstudiums - habe ich zwar schon auch gemalt, aber nur mit Aquarellfarbe. Auch Grafikdesign habe ich gemacht. Aber das war alles genau dasselbe, wie auch in der akademischen Kunstschule. 2018 kam es dazu, dass dann mein erstes Ölgemälde in meiner speziellen Technik entstanden ist.“

Iris von Arthentico:

„Das war dann eh das Gemälde „Who I am“, das hier in unserer Ausstellung auch zu sehen ist, richtig?“

Alina Babenko:

„Vollkommen richtig.“

Iris von Arthentico:

„Ein wahnsinnig ausdrucksstarkes Gemälde. Du hast in diesem und anderen älteren Gemälden noch sehr figurativ gearbeitet, bist aber mittlerweile immer abstrakter geworden. Wie kam es dazu?“

Alina Babenko:

„Ja. Das hängt immer von der Periode meines Lebens ab. Also was ich gerade durchmache, welche Schritte ich gehe. Manchmal ist es dann figurativer, manchmal abstrakter. Und natürlich spielen in genau dem Moment, in dem das Gemälde entsteht, auch immer meine Laune und meine inneren Gefühle eine wichtige Rolle. So ist eben zum Beispiel das Gemälde „Way“ sehr abstrakt geworden, weil das mein Inneres am besten beschreibt. Jetzt ist es fertig und ich habe mit diesem Gefühl abgeschlossen. Aber erst jetzt habe ich Zeit, es selbst auf mich wirken zu lassen und es zu überdenken.“

Iris von Arthentico:

„Interessant. Für mich strahlt dieses Gemälde wirklich wahnsinnig viel Energie aus und ich mag besonders die Struktur der Farbe, die durch die Beleuchtung auch so gut zur Geltung kommt. Es ist wirklich toll.
Etwas, dass ich dich auch noch unbedingt fragen möchte - du verwendest die Farben Rot und Gelb besonders viel. Ich sehe die beiden Farben wirklich in jedem einzelnen deiner Gemälde, die gerade hier ausgestellt sind. Haben diese Farben eine spezielle Bedeutung für dich?“

Alina Babenko:

“Ich beginne mal mit dem Fakt, dass ich oft male, wenn es mir schlecht geht oder ich einfach zu viele Emotionen in mir fühle. Und ja, Rot und Gelb haben für mich eine spezielle Bedeutung. Auch Weiß. Diese drei Farben geben mir irgendwie positive Energie. Mit ihnen kann ich meine negativen Gefühle in etwas Positives verwandeln. Aber nicht nur wenn es mir schlecht geht, benutze ich diese Farben. Auch wenn es mir besonders gut geht, möchte ich meine gute Laune mit diesen Farben auf Leinwand bringen.“

Iris von Arthentico:

„Ich finde es sehr spannend, dass deine Emotionen so einen großen Einfluss auf die Wahl der Farben haben. Und mir fällt beim ersten Betrachten deiner Gemälde gar nicht auf, dass du sie möglicherweise aus einem negativen Gefühl heraus gemalt hast. Sie strahlen wirklich viel Positivität aus. Aber wenn man dann oft die Texte neben den Gemälden liest, wird einem klar, dass du in dem Gemälde ein eher negatives Gefühl verarbeitet hast. Dabei finde ich es aber wirklich spannend, dass deine Gemälde das nicht auf den ersten Blick zeigen. Und ich glaube das ist es auch, was Besucher/innen auch so an deiner Kunst schätzen.“

Alina Babenko:

„Ja, das kann sein.“ [Lächeln]

Iris von Arthentico:

„Hast du dir für die nächsten Jahre bereits künstlerische Ziele gesetzt?“

Alina Babenko:

„Ja, natürlich. Zum einen möchte ich wirklich gerne weitere Ausstellungen mit meinen Gemälden organisieren. Nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen Ländern und Städten. Ich möchte neue Schritte gehen, mich dabei natürlich auch weiterentwickeln, neue Erfahrungen sammeln, meinen künstlerischen Stil weiterentwickeln und einfach tiefer eintauchen in die Kunst und in mich selbst. Mit weiteren Gemälden möchte den Menschen neue Seiten von mir zeigen. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass es etwas ganz anderes sein wird, das ich als nächstes angehen werde. Etwas kraftvolleres. Ich bin jedenfalls sehrgespannt, was ich da kreieren werde.“ [Lachen]

Iris von Arthentico:

„Wir natürlich auch! Da sind wir schon sehr gespannt darauf. Und jetzt meine letzte Frage: Heute ist der letzte Tag dieser Ausstellung. Wie blickst du auf sie zurück?“

Alina Babenko:

„Diese Ausstellung war für mich wie eine Lebensprüfung. [Lachen] Sie bedeutet für mich ein Ende eines kleinen Teils von meinem Leben. Die Ausstellung ist beendet und neue Türen öffnen sich, es gibt neue Herausforderungen. Davor schrecke ich aber nicht zurück. Was ich aber auf jeden Fall sagen kann, ist, dass ich mich ein bisschen anders fühle nach dieser Ausstellung. In mir ist etwas Positives passiert, dass ich aber momentan noch nicht gut beschreiben oder ausdrücken kann. Es wird aber wahrscheinlich Auswirkungen auf meine neuen Gemälde haben. Das werden wir dann sehen.“ [Lachen]

Iris von Arthentico:

„Bestimmt! Wir von Arthentico sind jedenfalls wahnsinnig gespannt, wie du dich weiterentwickeln wirst und welche Gemälde bei dir noch entstehen werden.“
Vielen Dank für das nette Gespräch, Alina!“

Alina Babenko:

„Ebenfalls vielen Dank!“
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